Ich habe wunderschöne Websites gesehen, die keinen einzigen Auftrag gebracht haben — und schlichte Seiten, deren Postfach überquillt. Der Unterschied lag fast nie am Design. Er lag an den Texten.
Texte sind das Verkaufsgespräch, das Ihre Website rund um die Uhr führt. Und genau wie im echten Gespräch gilt: Wer nur von sich redet, langweilt. Wer zuhört und Probleme löst, verkauft. In diesem Guide zeige ich Ihnen, wie Sie Website-Texte schreiben, die genau das tun — mit konkreten Formeln, echten Vorher-nachher-Beispielen und den Fehlern, die ich beim Überarbeiten von Kundentexten immer wieder ausbaue.
Auf einen Blick: Die 5 Grundregeln verkaufender Webtexte
- Vom Wir zum Sie: Jeder Satz beantwortet die Leserfrage „Was habe ich davon?" — nicht „Wer seid ihr?".
- Konkret schlägt schwammig: „Ihr neues Bad in 3 Wochen, Festpreis" verkauft. „Qualität und Kundenzufriedenheit" verkauft nicht.
- Eine Seite, ein Ziel: Jede Seite führt zu genau einem nächsten Schritt — und sagt das auch.
- Scanbar schreiben: Menschen lesen online nicht, sie scannen. Zwischenüberschriften, kurze Absätze, Listen.
- Beweise liefern: Jede Behauptung braucht einen Beleg — Zahl, Referenz, Bewertung, Beispiel.
Der wichtigste Dreh: Vom Wir zum Sie
Öffnen Sie Ihre Website und zählen Sie, wie oft „wir", „uns" und Ihr Firmenname in den ersten Absätzen stehen — gegen die Anzahl von „Sie" und „Ihr". Bei den meisten Unternehmens-Websites gewinnt das Wir haushoch. Das Problem: Ihr Besucher interessiert sich (noch) nicht für Sie. Er interessiert sich für sein Problem.
Der Dreh ist mechanisch einfach und wirkt sofort. Drei echte Beispiele aus meiner Überarbeitungspraxis:
- Vorher: „Wir sind ein erfahrenes Team im Bereich Badsanierung." — Nachher: „Ihr neues Bad in drei Wochen — komplett aus einer Hand, ohne Staub-Chaos, mit Festpreis."
- Vorher: „Unsere Kanzlei bietet umfassende Beratung im Arbeitsrecht." — Nachher: „Kündigung erhalten? Innerhalb von 24 Stunden wissen Sie, was Ihnen zusteht."
- Vorher: „Wir legen großen Wert auf Qualität." — Nachher: „98 Prozent unserer Projekte liefern wir zum vereinbarten Termin — die Referenzen dazu stehen unten."
Merken Sie den Unterschied? Die Nachher-Sätze enthalten ein Versprechen, eine Zeitangabe oder einen Beleg. Die Vorher-Sätze könnten von jedem Wettbewerber stammen — und genau das ist ihr Todesurteil.
Die Startseite: Die 5-Sekunden-Formel
Ihre Startseite hat fünf Sekunden, um drei Fragen zu beantworten: Was bieten Sie an? Für wen? Warum Sie? Daraus ergibt sich die Struktur, die ich auf jeder Startseite umsetze:
- Die Hauptüberschrift: Was + für wen + Kernnutzen in einem Satz. „Webdesign für Selbstständige und KMU — Websites, die Anfragen bringen" schlägt jedes „Herzlich willkommen".
- Der Unterzeiler: Ein Satz Konkretisierung — gern mit Zahl oder Ort: „Über 50 Projekte, ab 1.500 €, aus Ismaning bei München."
- Der erste Handlungsaufruf: Sichtbar ohne Scrollen. Konkret formuliert: „Kostenloses Erstgespräch" schlägt „Mehr erfahren".
- Der Vertrauensblock: Bewertungssterne, Kundenlogos, eine Kennzahl — direkt unter dem Einstieg.
- Die Leistungsübersicht: Drei bis fünf Angebote, jeweils mit Nutzen-Satz und Link in die Tiefe.
Was inhaltlich sonst noch auf eine vollständige Website gehört, habe ich im Beitrag Was muss auf die Website? aufgeschlüsselt.
Leistungsseiten: Wo die Aufträge tatsächlich entstehen
Die unterschätztesten Seiten überhaupt. Viele Websites quetschen alle Angebote auf eine „Leistungen"-Sammelseite — dabei verdient jede Kernleistung ihre eigene Seite, denn genau dort landen Suchende mit konkretem Bedarf. Mein bewährter Aufbau:
- Problem-Einstieg: Holen Sie den Leser bei seiner Situation ab — in seiner Sprache, nicht in Ihrer Fachsprache.
- Die Lösung mit Ergebnis: Was bekommt der Kunde am Ende? Nicht den Prozess zuerst, das Ergebnis zuerst.
- Der Ablauf in 3 bis 5 Schritten: Nimmt die Angst vor dem Unbekannten — der häufigste stille Anfrage-Blocker.
- Preisorientierung: Ein „ab"-Preis oder eine Spanne. Ja, wirklich. Die Angst, mit Preisen Kunden zu verschrecken, ist fast immer unbegründet — Preise filtern die Anfragen, die ohnehin nie gekauft hätten.
- Beleg: Eine passende Referenz oder Kundenstimme zur konkreten Leistung.
- Häufige Fragen: Die drei bis fünf Fragen, die Kunden am Telefon wirklich stellen — Gold für Leser, für Google und für KI-Suchen.
- Der Abschluss-Aufruf: Ein klarer nächster Schritt mit niedriger Hürde.
Die Über-mich-Seite: Unterschätzt und meistgeklickt
Bei Dienstleistern gehört die Über-mich-Seite fast immer zu den meistbesuchten Seiten — Menschen kaufen von Menschen. Trotzdem lesen sich die meisten wie ein Lebenslauf. Besser: Erzählen Sie, warum Sie tun, was Sie tun, und was der Kunde davon hat. Die Formel: 70 Prozent „was bedeutet das für Sie", 30 Prozent Werdegang. Ein echtes Foto ist Pflicht — kein Stock-Bild, kein 15 Jahre altes Bewerbungsfoto.
Schreiben fürs Scannen: Die Form entscheidet mit
Online wird nicht gelesen, sondern gescannt — in einem F-Muster, von Überschrift zu Überschrift. Daraus folgen handfeste Regeln: Absätze mit maximal vier, fünf Zeilen. Eine aussagekräftige Zwischenüberschrift alle zwei bis drei Absätze — sie muss auch isoliert verständlich sein. Listen für alles Aufzählbare. Wichtiges fett, aber sparsam. Und: kurze Sätze. Wenn ein Satz beim Vorlesen zwei Atemzüge braucht, teilen Sie ihn.
Ein Werkzeug-Tipp: Mit meinem kostenlosen Lesezeit-Rechner prüfen Sie Länge und Lesedauer Ihrer Texte, und der Zeichenzähler hilft bei Meta-Texten, die in Suchergebnissen nicht abgeschnitten werden.
Texte für Google und KI — ohne fürs Lesen zu sterben
Gute Nachricht: Was Menschen überzeugt, funktioniert 2026 auch für Maschinen. Google und KI-Systeme wie ChatGPT belohnen genau das, was Leser belohnen — klare Struktur, direkte Antworten, belegte Aussagen. Drei Ergänzungen machen Ihre Texte zusätzlich maschinenfreundlich:
- Die Frage-Antwort-Logik: Zwischenüberschriften als echte Fragen formulieren und im ersten Satz danach direkt antworten — das ist das Format, das KI-Suchen zitieren.
- Ein Suchbegriff pro Seite: Jede Seite zielt auf ein Hauptthema. Der Begriff gehört in Überschrift, ersten Absatz und Meta-Titel — natürlich eingebaut, nicht gestopft. Die Grundlagen stehen in den SEO-Grundlagen.
- Vorsicht mit reinen KI-Texten: ChatGPT kann Rohfassungen liefern — aber generischer KI-Einheitsbrei ohne Ihre Erfahrung und Ihre Beispiele konvertiert schlecht und rankt zunehmend schlechter. Warum, steht im Beitrag KI-Texte und Google.
Die 6 Textfehler, die Anfragen kosten
- Floskel-Bingo: „Kompetent, zuverlässig, kundenorientiert" — Worte, die jeder benutzt, bedeuten nichts mehr.
- Fachsprache: Sie schreiben für Kunden, nicht für Kollegen. Jeder Fachbegriff kostet Leser.
- Superlative ohne Beleg: „Die beste Lösung am Markt" ohne Beweis erzeugt Misstrauen statt Vertrauen.
- Der fehlende Preis-Anker: Gar keine Preisorientierung schickt Interessenten zum Wettbewerber, der eine gibt.
- Textwüsten: 800 Wörter ohne Zwischenüberschrift liest niemand — egal wie gut sie sind.
- Kein Abschluss: Die Seite informiert und endet. Ohne Handlungsaufruf bleibt selbst der überzeugte Leser passiv.
Selbst schreiben oder schreiben lassen?
Ehrliche Antwort: Die Rohstoffe haben nur Sie — niemand kennt Ihre Kunden, deren Fragen und Ihre echten Geschichten besser. Die Veredelung ist Handwerk. Mein bewährter Mittelweg mit Kunden: Sie liefern Stichpunkte und beantworten meine Interviewfragen, ich mache daraus Texte, die verkaufen — als Teil jedes Website-Projekts oder als eigenständige Überarbeitung. Bei neuen Websites gehört die Textberatung bei mir immer dazu, denn die beste Struktur nützt nichts, wenn die Worte schweigen.
Vorher/Nachher: Drei Textbausteine aus der Praxis
Wie sich die Prinzipien konkret anfühlen, zeigen drei typische Verwandlungen: Die Startseiten-Headline. Vorher: „Herzlich willkommen auf unserer Homepage!" Nachher: „Steuerberatung für Selbstständige in Augsburg — verständlich, planbar, digital." Die zweite Variante beantwortet in einer Zeile, was, für wen und wo — die erste beantwortet nichts. Die Leistungsbeschreibung. Vorher: „Wir bieten individuelle Lösungen nach höchsten Qualitätsstandards." Nachher: „Sie bekommen Ihre Buchhaltung jeden Monat bis zum 10. erledigt — digital eingereicht, ohne Pendelordner, mit fester Ansprechpartnerin." Konkretes Versprechen schlägt Floskel, immer. Der Call-to-Action. Vorher: „Kontaktieren Sie uns gerne." Nachher: „Schildern Sie mir Ihr Anliegen — Sie bekommen innerhalb von 24 Stunden eine ehrliche Einschätzung, kostenlos." Der Unterschied: Die zweite Variante nimmt die Unsicherheit („Was passiert, wenn ich schreibe?") und nennt den konkreten Gegenwert. Diese Muster lassen sich auf jede Branche übertragen — der Maßstab ist immer: Würde ein konkreter Mensch mit einem konkreten Problem sich hier verstanden fühlen?
Die Struktur einer Leistungsseite, die verkauft
Gute Texte brauchen ein gutes Gerüst. Für Leistungsseiten hat sich diese Reihenfolge bewährt — sie folgt dem Gedankengang des Lesers, nicht dem Stolz des Anbieters: 1. Die Headline benennt Leistung, Zielgruppe und idealerweise den Ort („Physiotherapie für Sportler in Regensburg"). 2. Das Problem in zwei, drei Sätzen aus Kundensicht — der Leser soll denken: „Genau das ist mein Thema." 3. Die Lösung konkret: was Sie tun, wie es abläuft, was am Ende herauskommt. 4. Der Beweis: Zahlen, Beispiele, Bewertungen, Vorher-Nachher — irgendetwas Überprüfbares. 5. Der Preis oder mindestens der Preisrahmen: Wer hier schweigt, erzeugt die Sorge „zu teuer" und verliert Anfragen an transparentere Wettbewerber. 6. Die häufigen Fragen, ehrlich beantwortet — inklusive der unbequemen. 7. Der nächste Schritt, klar und risikofrei formuliert. Diese sieben Blöcke, sauber gefüllt, schlagen jede „kreative" Seitenstruktur — weil sie der Reihenfolge entsprechen, in der Menschen Entscheidungen treffen. Wer mag, kann seine wichtigste Leistungsseite einmal dagegen prüfen: Welcher Block fehlt bei Ihnen?
Häufige Fragen zu Website-Texten
Wie lang sollten Website-Texte sein?
So lang wie nötig, um die Entscheidung zu ermöglichen — nicht länger. Eine Leistungsseite braucht typischerweise 400 bis 900 Wörter: genug für Problem, Lösung, Ablauf, Preise und häufige Fragen. Ratgeber-Inhalte dürfen deutlich länger sein. Was nie funktioniert: drei Sätze Floskeln, die nichts beantworten.
Soll ich Texte von KI schreiben lassen?
KI ist ein starkes Werkzeug für Struktur, Rohfassungen und Varianten — aber unredigierte KI-Texte klingen austauschbar, und Austauschbarkeit ist im Web tödlich. Was nur Sie liefern können: echte Beispiele, echte Preise, echte Haltung. Wie Google mit KI-Texten umgeht, habe ich im Beitrag KI-Texte und Google analysiert.
Schreibe ich „ich" oder „wir" als Solo-Selbstständiger?
„Ich" — konsequent. Das „Wir" von Einzelunternehmern täuscht niemanden und verschenkt den größten Vorteil: die persönliche Ansprache. Menschen beauftragen Menschen. Ich schreibe meine gesamte Website in der Ich-Form, und genau das wird in Erstgesprächen regelmäßig positiv erwähnt.
Was ist mit Keywords — wie oft muss mein Suchbegriff vorkommen?
Vergessen Sie Keyword-Dichten. Schreiben Sie die Begriffe, die Ihre Kunden tatsächlich verwenden, an die Stellen, wo sie hingehören (Überschrift, erste Zeilen, Zwischentitel) — und beantworten Sie dann die Fragen dahinter. Moderne Suchsysteme, klassische wie KI-basierte, bewerten Antwortqualität, nicht Wortzählerei.
Texte selbst schreiben oder schreiben lassen?
Die Rohsubstanz — Ihr Wissen, Ihre Beispiele, Ihre Preise — kann Ihnen niemand abnehmen. Die Verdichtung in verkaufende Struktur ist Handwerk. Mein Modell: Sie liefern den Stoff im Gespräch, ich baue daraus Seiten, die verkaufen — als Teil jedes Website-Projekts, denn Design ohne Text ist nur Dekoration.
Ihre nächsten Schritte
- Machen Sie den Wir-Test auf Ihrer Startseite — und drehen Sie die ersten drei Sätze zum Sie.
- Schreiben Sie die Fragen auf, die Kunden Ihnen am Telefon stellen — das ist Ihr FAQ-Rohmaterial.
- Geben Sie jeder Kernleistung eine eigene Seite nach dem 7-Punkte-Aufbau.
- Setzen Sie auf jede Seite einen konkreten nächsten Schritt.
- Wenn Sie Unterstützung wollen: Im kostenlosen Erstgespräch schaue ich auf Ihre Texte und sage Ihnen ehrlich, wo die größten Hebel liegen — manchmal sind es nur drei Sätze, die alles ändern.