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BFSG 2026: Erste Abmahnwellen — ist deine Website betroffen?

10. April 2026 Dominik Baurhenn 7 Min. Lesezeit
BFSG 2026: Erste Abmahnwellen — ist deine Website betroffen?

Seit dem 28. Juni 2025 ist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in Kraft. Und wer dachte, das betrifft nur große Konzerne, liegt falsch. Die ersten Abmahnwellen laufen bereits, und im März 2026 hat die EU-Kommission Deutschland sogar offiziell gerügt, weil die Umsetzung noch immer Lücken aufweist. Höchste Zeit, sich ehrlich damit auseinanderzusetzen.

Was ist das BFSG und wen betrifft es?

Das BFSG setzt den European Accessibility Act (EAA) in deutsches Recht um. Es verlangt, dass digitale Produkte und Dienstleistungen barrierefrei gestaltet werden. Konkret betrifft das Onlineshops, Apps, Buchungsplattformen und alle Websites die Dienstleistungen direkt an Endverbraucher (B2C) anbieten. Also: Wenn du über deine Website etwas verkaufst, Termine anbietest oder Dienstleistungen buchbar machst, bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit betroffen.

Es gibt eine Ausnahme für Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und unter 2 Millionen Euro Jahresumsatz. Aber Vorsicht: Diese Ausnahme gilt nur für Dienstleistungen, nicht für Produktverkäufe. Und selbst wenn du formal ausgenommen bist, macht Barrierefreiheit deine Website besser für alle Besucher.

Was konkret gefordert wird

Die technischen Anforderungen orientieren sich an der europäischen Norm EN 301 549 und den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 Level AA. Klingt kompliziert, bedeutet aber im Kern:

Alternativtexte für Bilder: Jedes Bild auf deiner Website braucht einen beschreibenden Alt-Text, damit Screenreader den Inhalt vorlesen können. Das ist gleichzeitig gut für SEO.

Tastaturbedienbarkeit: Deine gesamte Website muss ohne Maus bedienbar sein. Menüs, Formulare, Buttons, alles muss per Tab-Taste erreichbar und per Enter auslösbar sein.

Ausreichende Kontraste: Text muss sich deutlich vom Hintergrund abheben. Hellgrau auf Weiß ist nicht nur schlecht lesbar, sondern jetzt auch potenziell abmahnfähig.

Klare Fehlermeldungen: Wenn jemand ein Formular falsch ausfüllt, muss die Fehlermeldung verständlich sein und erklären was zu tun ist.

Saubere Code-Struktur: Semantisches HTML, logische Heading-Hierarchie (H1, H2, H3), korrekte ARIA-Labels. Das ist etwas, das viele Baukasten-Websites und ältere WordPress-Themes schlicht nicht liefern.

Barrierefreiheitserklärung: Pflicht ist außerdem eine öffentlich zugängliche Erklärung zur Barrierefreiheit im Footer deiner Website, ähnlich wie Impressum und Datenschutzerklärung.

Was bei Verstößen droht

Die Marktüberwachungsbehörden der Länder sind zuständig für die Kontrolle. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro. Aber das ist nicht alles: Wettbewerber und nach dem Behindertengleichstellungsgesetz anerkannte Verbände können Verstöße abmahnen. Die Kosten einer Abmahnung liegen schnell bei über 1.000 Euro, und die ersten sind seit Sommer 2025 dokumentiert.

Im schlimmsten Fall kann die Marktüberwachungsbehörde sogar die Abschaltung deiner Website oder deines Onlineshops anordnen. Das ist keine theoretische Möglichkeit mehr, sondern eine reale Konsequenz, die besonders E-Commerce-Unternehmen treffen kann.

Was du jetzt tun solltest

Schritt 1: Prüfen ob du betroffen bist. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit bietet einen BFSG-Check an, mit dem du schnell klären kannst ob das Gesetz für dich greift.

Schritt 2: Accessibility-Audit durchführen lassen. Lass deine Website professionell auf Barrierefreiheit prüfen. Automatische Tools wie WAVE oder axe DevTools finden nur einen Teil der Probleme, ein manueller Test ist unersetzlich.

Schritt 3: Technische Umsetzung. Je nach Zustand deiner Website kann das von kleineren Anpassungen (Alt-Texte, Kontraste) bis zu einem grundlegenden Relaunch reichen. Besonders Websites die auf veralteten Templates oder visuellen Baukästen gebaut sind, haben oft fundamentale Probleme bei der Tastaturbedienbarkeit und semantischen Struktur.

Schritt 4: Barrierefreiheitserklärung erstellen. Diese muss den aktuellen Stand dokumentieren, bekannte Einschränkungen benennen und eine Kontaktmöglichkeit für Feedback bieten.

Barrierefreiheit ist kein Hindernis, sondern ein Vorteil

Was oft vergessen wird: Barrierefreiheit macht deine Website besser für alle. In Deutschland leben rund 13 Millionen Menschen mit dauerhaften Beeinträchtigungen. Dazu kommen ältere Menschen, Personen mit temporären Einschränkungen und alle, die einfach von besserer Bedienbarkeit profitieren. Barrierefreie Websites haben in der Regel bessere SEO-Rankings, niedrigere Absprungraten und höhere Conversion-Rates.

Du bist unsicher ob deine Website BFSG-konform ist? Meld dich bei mir. Ich prüfe deine Website auf Barrierefreiheit und sage dir ehrlich was zu tun ist, was es kostet und ob du überhaupt betroffen bist.

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